Day 12: Berlin

Spreefahrtwetter. Leicht windig, bewölkt, nieselig. Eigentlich war Sonne angesagt. Aber passt ganz gut. Der Abend mit den Holländern sass noch in den Knochen und im Adlon einchecken können wir erst ab 15 Uhr. Also machen wir eine Brückenfahrt auf der Spree. Man sieht was, muss sich aber nicht gross bewegen. Und die Zeit geht auch rum. Die Brücken sind teilweise sehr tief. So tief, dass der Erzähler kaum genug Superlative hat dafür. „Gehört zu den tiefsten Brücken auf dem Landwehrkanal“, „ist sehr tief“, „ist gefährlich tief“ etc. Am Ende landen wir jedenfalls unbeschadet in Charlottenburg und machen uns auf den Weg zurück ins Steigenberger, um unser Gepäck zu holen.

Einen kurzen Zwischenstopp legen wir im «Hans im Glück» ein, dem Konkurrenten des in Rostock besuchten «Peter Pane». Die Karte ist mehr oder weniger dieselbe. Statt Fritz Kola gibts aber normale Cola. Und die Burger tragen andere Namen. Wir sind um etwa halb vier da, also noch voll in der Mittagsmenüzeit. Die dann ab 17 Uhr von der Abendmenüzeit abgelöst wird. Man bekommt für den Preis des gewünschten Burgers plus einen kleinen Aufschlag noch eine Beilage, ein Softgetränk und ein Heissgetränk serviert. Oder wie die nette Bedienung meinte: «Wenn ihr noch arbeiten müsst, können wir gegen einen kleinen Aufschlag auch Bier und Wodka draus machen.» Zum Glück sind wir in den Ferien und dürfen beim Wasser bleiben.

Die Koffer sind schnell geholt und unser Plan sieht vor, vom Hauptbahnhof mit dem TXL-Express direkt nach Unter die Linden zu fahren. Leider brennt dazwischen grad was. Oder sonstwas verursacht die Störung, der Bus fährt drum nicht. Also gibts einen kleinen Umweg über die Friedrichstrasse mit Bus und S-Bahn. Mit Koffern wirklich ein Spass. Vor allem der Weg zur S-Bahn ans Brandenburger Tor ist gepflastert mit Treppen.

Vor dem Adlon angekommen, werden unsere Koffer sofort vom Portier in Empfang genommen. Schon bei der Ankunft fühlt man sich also wichtig. Grad nach dem Eingang steht man in der mondänen Lobby mit dem Elefantenbrunnen. Respektive der Originalnachbildung des Geschenks vom Maharadscha zu irgendwo aus den Zwanziger Jahren. Alles wirkt mondän, aber auch total übervölkert. Es sind sehr viele Gäste da. Auf Tripadvisor bemängeln das Leute, weil der Raum so den Charme einer Bahnhofshalle ausstrahle. Seh ich nicht so. Ist halt attraktiv, in einem solchen Ambiente seinen Kaffee zu trinken.

Wir kriegen Zimmer 561. Die Schindler-Lifte sind auf alt getrimmt, das Stockwerk wird durch einen Zeiger statt durch eine Digitalanzeige dargestellt. Die Gänge sind wirklich schön und die hölzernen Zimmertüren strahlen nach Luxus.
Das Zimmer selbst ist geräumig und es braucht einige Zeit, um alles darin zu entdecken. Der Schreibtisch mit dem iPad, das über das Wetter informiert. Die Kaffeemaschine dahinter mit drei Sorten Kaffee. Der Fernseher mit Apple TV. Die Schränke mit automatischem Licht. Die kabellose Ladestation auf dem Nachttisch (die zwar nicht funktioniert, weil wohl ein vorheriger Gast zu stark daran rumgerupft hat). Die bequemen Sessel beim Fenster. Die Konsolen zur Steuerung der Klimaanlage und der Hinweislichter fürs Personal («Bitte nicht stören», «Bitte Zimmer reinigen») an der Tür in der Nachttischschublade. Und so vieles mehr. Das Adlon spielt in einer anderen Liga. Die Koffer werden kurz später aufs Zimmer geliefert. Der nette Herr hätte sie sogar reingetragen, aber das wär dann zu viel gewesen. Für mich.

Schweren Herzens verlassen wir das Hotelparadies aber wieder, denn Znacht gegessen sollte ja auch mal. Heute im «Deutschen Speisehaus» in Friedrichshain. Es gibt Schnitzel. Ist ja schliesslich Freitag. Der Riesling ist wieder hervorragend, wenn auch wieder nicht wirklich trocken. Ich möchte jedenfalls keinen lieblichen deutschen Wein probieren, wenn der Riesling als trocken gilt. Das zweite Glas geht vergessen. Kein Problem, im Gegenteil. Dafür gibts eine Berliner Luft aufs Haus. Danach noch etwas Weisswein ein paar Häuser weiter an der Simon-Dach-Strasse. An sich wärs ja fast Tradition gewesen, den Schlummi im Hotel zu nehmen. Ein kurzer Blick auf die Barkarte im Adlon lässt das aber schnell vergessen. Vielleicht am nächsten Tag dann. Das muss man geniessen. Zudem ist die Bar um kurz nach 12, als wir im Hotel ankommen, noch immer sehr gut gefüllt.

Der Aufdeckservice im Zimmer hat ganze Arbeit geleistet. Vor den Betten stehen Tücher und Schlappen parat, die Bademäntel hängen nicht mehr im Schrank, sondern im Bad. Das Licht im Schminkspiegel ist an, die Fernbedienung wanderte wie von Geisterhand vom Schrank unter dem Fernseher auf den Nachttisch. Und auf dem Salontisch steht eine Flasche Wein im Weinkühler, der wiederum mit Eis gefüllt war. Plus eine von Hand geschriebene Karte daneben, auf der sich die «Ladys in Red» für das positive Feedback auf Expedia bedanken und «Mr. & Mrs. Koch» einen wunderbaren Aufenthalt wünschen. Lustig, dass sie mein schnelles Feedback zum Check-in, um das mich Hotels.com am Nachmittag gebeten hat, schon gesehen haben. Dass aber nicht Herr und Frau Koch im Zimmer schlafen, ist ihnen entgangen. Jä nu, seis so. Der Service ist hervorragend. Man schämt sich fast ein wenig.

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